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Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige: worauf du achten musst

Tian von Dziembowski 5 Minuten Lesezeit

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Wenn du selbstständig bist, trägst du dein Einkommensrisiko allein. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige braucht deshalb andere Prüfpunkte als eine BU für Angestellte. Der Unterschied liegt selten im Beitrag. Er liegt in den Bedingungen.

Dieser Beitrag geht die Punkte durch, die im Leistungsfall wirklich zählen.

Warum das gesetzliche Netz bei dir meist nicht greift

Viele rechnen still mit der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente. Die setzt aber Pflichtbeiträge voraus. Das Sozialgesetzbuch verlangt dafür drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung. Dieser Fünfjahreszeitraum verlängert sich um bestimmte Zeiten, etwa Anrechnungs- und Berücksichtigungszeiten.

Wer keine Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlt, erfüllt diese Voraussetzung nicht. Das Gesetz kennt davon nur enge Ausnahmen. Ob du krank bist, spielt für die Beitragsvoraussetzung keine Rolle.

Dazu kommt ein inhaltlicher Unterschied. Nach dem Sozialgesetzbuch kommt es nicht auf deinen Beruf an. Gemessen wird, wie viele Stunden täglich du auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt noch arbeiten kannst. Das Versicherungsvertragsgesetz stellt für die private BU dagegen auf deinen zuletzt ausgeübten Beruf ab. Maßgeblich ist, wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war.

Die Umorganisationsklausel: der wichtigste Punkt

Das ist die Regel, die Selbstständige von Angestellten trennt. Sie besagt sinngemäß: Bevor der Versicherer zahlt, musst du prüfen, ob du deinen Betrieb umbauen kannst.

Ein Beispiel aus der Rechtsprechung macht das greifbar. Der Bundesgerichtshof entschied 1993 über einen selbstständigen Dachdecker mit eigener Firma. Er musste darlegen, dass eine Umorganisation ihm nicht möglich war.

Für die Praxis heißt das: Je größer dein Betrieb, desto eher hält der Versicherer eine Umorganisation für zumutbar. Wer allein arbeitet, hat weniger Spielraum — und damit oft die stärkere Position.

Worauf du in den Bedingungen schaust

  • Wird die Umorganisation überhaupt erwähnt, und wie eng ist sie gefasst?
  • Gibt es eine Grenze für zumutbare Einkommenseinbußen?
  • Sind Inhaber mit Leitungsfunktion ausdrücklich geregelt?
  • Wer trägt die Darlegungslast — du oder der Versicherer?

Lass dir diese Punkte vor dem Antrag zeigen. Nach dem Leistungsfall lässt sich daran nichts mehr ändern.

Dein Berufsbild gehört sauber in den Antrag

Der Versicherer prüft später gegen das, was du bei Antragstellung angegeben hast. „Selbstständig” ist dafür keine Beschreibung.

Halte fest, welche Tätigkeiten deinen Alltag ausmachen. Wie viel Zeit entfällt auf Büro, wie viel auf körperliche Arbeit, wie viel auf Kundentermine? Diese Aufteilung beschreibt den Beruf, an dem der Versicherer nach dem Versicherungsvertragsgesetz später misst.

Eine ehrliche, detaillierte Angabe schützt dich. Nach dem Versicherungsvertragsgesetz kann eine schöngefärbte dich im Ernstfall die Leistung kosten.

Wie hoch die Rente sein sollte

Feste Prozentwerte kursieren im Netz reichlich. Sinnvoller ist eine Rechnung mit deinen echten Zahlen.

Nimm deine laufenden privaten Fixkosten. Addiere die betrieblichen Kosten, die auch ohne dich weiterlaufen. Rechne Krankenversicherung und Altersvorsorge dazu, denn beide zahlst du weiter.

Aus dieser Summe ergibt sich dein Bedarf. Wir empfehlen keine konkrete Höhe pauschal — das hängt zu stark an deinem Einzelfall.

Beiträge in schwankenden Jahren

Selbstständige Einkommen schwanken. Deine Bedingungen sollten das aushalten.

Achte auf Regelungen zu Stundung und Beitragsfreistellung. Prüfe außerdem, ob du die Rente später ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen kannst. Solche Nachversicherungsgarantien haben wir im Beitrag zur Nachversicherung in der Berufsunfähigkeitsversicherung im Detail beschrieben.

Gesundheitsfragen: erst anonym klären, dann beantragen

Das Versicherungsvertragsgesetz verpflichtet dich, die Gesundheitsfragen des Versicherers vollständig zu beantworten. Die Pflicht reicht so weit, wie du die Umstände kennst und er in Textform danach fragt. Wer sie vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt, riskiert den Rücktritt des Versicherers. Bei leichter Fahrlässigkeit bleiben ihm Kündigung oder eine Anpassung des Vertrags. Bei arglistiger Täuschung kann er den Vertrag zusätzlich anfechten.

Rücktritt, Kündigung und Anpassung kann der Versicherer nach dem Gesetz nur fünf Jahre lang geltend machen. Hast du die Anzeigepflicht vorsätzlich oder arglistig verletzt, sind es zehn Jahre. Für Versicherungsfälle, die vor Ablauf der Frist eingetreten sind, gilt sie nicht. Das ist ein langer Zeitraum für einen vergessenen Arztbesuch.

Der saubere Weg führt über eine anonyme Risikovoranfrage. Dabei erfährst du vorab, wie Versicherer deine Vorgeschichte einschätzen — ohne dass ein Antrag mit deinem Namen entsteht.

Steuern kurz eingeordnet

Das Einkommensteuergesetz zählt Beiträge zu einer eigenständigen BU zu den sonstigen Vorsorgeaufwendungen. Für diese Gruppe gilt ein gemeinsamer Jahreshöchstbetrag, in den auch Kranken- und Pflegeversicherung fallen. Schöpfen deine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ihn schon aus, bleibt für die BU kein Abzug.

Die spätere Rente aus einer eigenständigen BU wird nur mit dem Ertragsanteil besteuert. Die Einkommensteuer-Durchführungsverordnung behandelt sie als abgekürzte Leibrente, weil sie zeitlich begrenzt läuft. Die Details stehen in unserem Beitrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung und Steuer.

Steuerliche Aussagen hängen immer am Einzelfall. Für die verbindliche Prüfung ist dein Steuerberater zuständig.

So gehen wir das gemeinsam an

Wir sind freie Versicherungsmakler. Für Selbstständige heißt das: Wir lesen die Umorganisationsklausel, bevor wir über Beiträge sprechen.

Wie eine Absicherung der Arbeitskraft grundsätzlich aufgebaut ist, findest du auf unserer Seite zur BU-Beratung. Wenn du wissen willst, wo dein Vertrag heute steht, hilft der kostenlose BU-Check.

Erstgespräch buchen — Termin vereinbaren. Kostenfrei und unverbindlich.

Inhalt
  1. Warum das gesetzliche Netz bei dir meist nicht greift
  2. Die Umorganisationsklausel: der wichtigste Punkt
  3. Dein Berufsbild gehört sauber in den Antrag
  4. Wie hoch die Rente sein sollte
  5. Beiträge in schwankenden Jahren
  6. Gesundheitsfragen: erst anonym klären, dann beantragen
  7. Steuern kurz eingeordnet
  8. So gehen wir das gemeinsam an
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